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Meistenteils Acker- und Hüttenleute

Nicht gerade leicht war der Auftrag, den Johann Heinrich Lamprecht für das Jahr 1741 erhielt: Jedes Kirchspiel und jeden darin befindlichen Ort in den Ämtern Freusburg und Friedewald sollte der in Aschersleben geborene Amtsaktuar beschreiben, und das möglichst genau. Der junge Verwaltungsbeamte hatte also eine Fülle von Fragen vor sich liegen, doch konnte er sie weitgehend zur Zufriedenheit seiner vorgesetzten Dienststelle in Altenkirchen, beantworten.


Lamprecht lieferte am 10. Februar 1742 eine umfangreiche Detailbeschreibung der beiden Ämter, darunter auch über das zu Freusburg gehörende Kirchspiel Kirchen mit seinen nunmehr seit über 100 Jahren zur Verbandsgemeinde (Amt) Betzdorf gehörenden gleichnamigen Stadt einschließlich Bruche und Dauersberg und den Ortsgemeinden Alsdorf, Grünebach, Scheuerfeld und Wallmenroth. Gerichtet war die Schrift an den Geheimen Etatminister Freiherr von Seckendorff.

 

Lamprecht, der bereits am 3. Januar 1749 im Alter von nur 30 Jahren und 17 Tagen an der Auszehrung (Schwindsucht) starb, teilte u.a. mit: „Betzdorf hat 19 Räuche (Haushaltsvorstände), 195 Morgen Acker und Wiesen, gibt Schatz 3 Rtlr. 44 albus 7 d. (Steueraufkommen), hat l/2 Stunde Revier, auch Erbenwaldung (Hauberg). Die Heller fließt allda in die Sieg, über welche beiden Flüsse eine Brücke geschlagen. Die Einwohner sind meistenteils Acker- und Hüttenleute katholischer Religion."


Alsdorf - damals größter Ort im Bereich der heutigen Verbandsgemeinde Betzdorf - zählte ,,31 Räuche, 273 Morgen Acker und Wiesen" und erbrachte ein überdurchschnittliches Steueraufkommen von „6 Rtlr. 24 albus 2 d." Weiter schreibt Lamprecht, die vorbeifließende Heller werde für die „etwas abseits vom Dorf stehende Eisenhütte" und die herrschaftliche, auch für Bewohner der Nachbarorte vorgeschriebenen, Mühle genutzt. Außerdem fließe ein Seifen durch das Dorf, „so Forellen hat und eine Kupferhütte treibt". Im Alsdorfer Revier gebe es keine Bergwerke. Die Einwohner seien teils Acker- und Hüttenleute, teils Wirte und Krämer meistenteils katholischer Religion. Außerdem liege daselbst „ein herrschaftlicher Wald, die Hägenharth genannt, so aus Eichen besteht und im Umfang eine Stunde ausmacht".

 

Grünebach besaß Lamprecht zufolge 13 Räuche, 130 Morgen Acker und Wiesen, „gab Schatz 3 Rtlr. 2 albus 1 1/2 d." „Der Fluß, die Heller fließt daran her, haben eine Eisenhütte, keine Bergwerke, sind Acker-, Berg- und Hüttenleute katholischer Religion..."

 

In Dauersberg (14 Räuche, 140 Morgen Acker und Wiesen, 3 Rtlr. 10 albus 4 d. Schatz) mahlte ebenfalls eine herrschaftliche Mühle („unter dem Dorfe an einem kleinen Fluß, so die Elbe heißt und etwas Fische führt"). „Ist auch der beste Fruchtort im Amt Freusburg, und der daselbst befindliche sogenannte Junge Wald ist herrschaftlich und in Umfang gering."

 

Kaum gewichtiger stellte Lamprecht Scheuerfeld vor: „Hat 17 Räuche, 122 Morgen Acker und Wiesen, hat Revier 1/4 Stunde wie auch gemeine Waldung, gibt 2 fl. 4 albus 2 d Schatz. Die Sieg fließt unter dem Dorf her, ...ist ein Grenzdorf und stößt (ebenso wie Dauersberg) an das Schönsteinsche."


In „Wallmeroth" verzeichnete Lamprecht insgesamt 21 Räuche, „worunter 8 Räuche, so dem Herrn von Schütz gehörig und worin er Hofleute gesetzt, welche jährlich von dem Genuß der Güter Pacht geben". Bei 91 Morgen Acker und Wiesen gab es Steuereinnahmen in Höhe von „4 fl. 23 albus 3 1/2 d. Schatz", aber ansonsten keine Waldungen. „Die Güter sind meistenteils herrschaftlich und Junkern." Stichwortartig führt der Amtsaktuar weiter aus: „...unter dem Dorf fließt die Sieg vorbei" und „grenzt an das Wilteburgische". ,,Daselbst liegt ein herrschaftlicher Wald, die Beishardt genannt und in Umgang 1/2 Stunde ausmacht."

 

Verbleibt noch „Bruch" (Bruche) zwischen Alt-Betzdorf und Scheuerfeld mit 13 Räuchen 79 Morgen Ackerland und Wiesen sowie gemeinen Waldungen. Lamprecht: „. . . sind Ackerleute und katholischer Religion, in die Alsdorfer herrschaftliche Mühle gebannt und geben 1 fl. 37 albus l d. Schatz."

 

Text von Thomas A. Bartolosch aus dem Buch "Glücklich im Centrum gelegen".