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Betzdorf - Stadt der Mauersegler

Betzdorf Derzeit hat der kundige und interessierte Beobachter, der seinen Blick einmal an sonnenklaren Tagen gen Himmel richtet, den Eindruck, dass es noch nie so viele rasant mit ihrem charakteristischen Ruf „Zirrrr“ umher fliegende Mauersegler gab, wie in diesem Jahr. Inzwischen sind die Jungvögel flügge geworden und machen sich bereits fliegerisch fit für die lange Reise im Spätsommer gen Süden. Wir erinnern uns: die gerade einmal 40 Gramm schweren Vögel schaffen in ihrem etwa sieben Jahre währenden Leben eine Gesamtflugleistung von rund 1,5 Kilometern! Mal gerade einer Schlechtwetterfront 1.500 km weit auszuweichen gehört „zu ihrem normalen Flugbetrieb“.

 

Genau genommen, so erinnert sich manch älterer Betzdorfer nachdenklich, sind die Mauersegler über Betzdorf „Boten des Friedens“: Sie verdeutlichen, dass vor mehr als Sechzig Jahren, genau am 12. März 1945, andere Flieger mit Spreng- und Brandbomben über Betzdorf auftauchten, die keineswegs Friedensboten waren. Sie brachten Feuer und Zerstörung, Angst, Leiden und Tod am Ende eines bis dahin nie da gewesenen schrecklichen Weltkrieges.

Wie friedlich und angstfrei bietet sich da das Bild der Dutzenden von Flugakrobaten über Betzdorf, für die sich seit einiger Zeit nicht nur Schüler des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums, sondern auch Mitarbeiter der Verbandsgemeindeverwaltung verstärkt interessieren. Unter Anleitung ihres Biologielehrers Helmut Münzel haben Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums ein wissenschaftliches Ansiedlungsprojekt für Mauersegler an der Aula der Schule begonnen. Der Mauerseglerexperte des Umweltschutzverbandes NABU Martin Grund aus Neustadt/Weinstraße hatte zuvor anhand eines interessanten Fachvortrages die entsprechenden Wissensgrundlagen gegeben. Mit Hilfe einer Digitalkamera, PC und entsprechender Tontechnik sollen langfristig Daten über das Brutverhalten gesammelt und ausgewertet werden, die dann mit anderen sogen. „Mauerseglerschulen“ ausgetauscht werden können.

Ein weiteres Ansiedlungsprojekt wurde von Mitarbeitern der Verbandsgemeindeverwaltung Betzdorf auf dem Dach des Amtsgerichtsgebäudes realisiert: zehn künstliche Bruthilfen aus Holzbeton wurden hier in luftiger Höhe professionell angebracht. Ebenfalls soll an dieser Stelle der Erfolg einer Mauersegleransiedlung im kommenden Jahr durch eine Digitalkamera und die entsprechende Tontechnik für das Anlocken dokumentiert werden. In mehreren Gesprächen hatte der Umweltkoordinator der Verbandsgemeinde, Timo Fries mit Unterstützung von Manfred Kessler den Direktor des Amtsgerichtes Walter Weber-Monecke und Geschäftsführer Justizamtsrat Ulrich Meyer für dieses Projekt begeistern können. Mit Spannung wird nun sowohl am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium wie bei der Verbandsgemeindeverwaltung und dem Amtsgericht das nächste „Mauerseglerjahr“ erwartet. Timo Fries ist guter Dinge: „Wir sind zuversichtlich, dass uns auch in Zukunft die für Betzdorf so typischen Luftakrobaten erhalten bleiben und uns erfreuen werden. Am meisten freue ich mich auf die ersten Bilddokumentationen unserer beiden Projekte und auch Helmut Münzel und seine Biologieschüler sind schon sehr gespannt.“

 

Mehr Informationen zum Mauerseglerprojekt erhalten Sie hier.

 

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