Das Logo der Stadt Betzdorf

Versteckte Technik sorgt für reibungslosen Verkehr im Tunnel

Im Schein der Frühlingssonne liegt es wie ein riesiger, halbierter Trichter da und übt eine gewisse Sogwirkung aus: Das weitausladende Südportal, das sich schwungvoll an den Berg anschmiegt, zieht allemal die Blicke von Passanten und Verkehrsteilnehmern an. Seit einiger Zeit sind die schweren Schutzwände vor den beiden imposanten Portalen des Siegkreisels zurückgebaut, der Blick auf die harmonisch gestaltete Ein- und Ausfahrt des bislang ersten Tunnels in der Region ist frei.
Das etwa 400 Meter lange Bauwerk kann derzeit jedoch noch nicht befahren werden. Denn die Arbeiten sind noch in vollem Gang. Dennoch lässt sich unschwer erkennen, dass die Arbeiten schon weit vorangekommen sind und mehr oder weniger in den letzten Zügen liegen.

 

Die Röhre wird vom Portal an der Friedrichstraße aus nach der Freigabe den Verkehr gegen den Uhrzeigersinn durch den Berg lenken. Wenngleich die schweren Arbeiten wie Sprengen und Betonieren längst abgeschlossen sind und das Bauwerk sich in einem sandfarbenen Finish und mit Naturstein verblendet am Tunneleingang bzw. -ausgang zeigt, so sind die Arbeiten noch an vielen Stellen in vollem Gang. So etwa in der „Denkzentrale" des Tunnels, dem von außen nicht sichtbarem Betriebsgebäude.
Drei Edelstahltüren sind das einzige, was am Südportal darauf hinweist, dass hinter dem Natursteinmauerwerk noch etwas zu finden ist. Und dahinter schlägt sozusagen das „Herz" des Tunnels. Dort sitzt das „Köpfchen" der Röhre und dort laufen die Fäden buchstäblich in einer Vielzahl großer Schaltschränke zusammen. In der Schaltzentrale werden die Impulse für die technische Ausstattung des Bauwerks gegeben. Und davon gibt es eine ganze Fülle.
Vier Überwachungskameras müssen ihre Bilder übertragen können, und nicht nur die Beleuchtung muss mit Strom und Signalen versorgt werden. Die Steuerung der Löschwasserleitung ist ebenfalls im Betriebsgebäude untergebracht. Zwei Notrufsäulen stehen an den Portalen, die unterbrechungsfreie Stromversorgung bei Netzausfall ist für 30 Minuten für die Tunnelbeleuchtung gewährleistet.
Damit nicht nur der Verkehr im Tunnel rund läuft, sondern eben auch die (Versorgungs-) Einrichtungen selbiges tun, wurden inzwischen etliche hundert Meter Kabel gezogen, die wie Fäden eines Spinnnetzes in den Schaltschränken zusammenlaufen. Und Fäden meint in diesem Fall beispielsweise die farbigen Schwachstromkabel, die verlegt und angeschlossen wurden.
Was für den elektrotechnisch nicht so versierten Betrachter den Eindruck eines bunten Chaos aus dünnen „Strippen" erweckt, ist für die „Herren der Kabel" eine leicht überschaubare Sache: Einer davon ist Elektriker Thierry Baumann von der Firma Dürr aus Weinstadt. Er hat einen Schaltplan vor sich liegen. In der einen Hand hält er einen Kabelstrang, der Dutzende rote, grüne, blaue und gelbe Drähtchen bindet. Mit flinken Fingern schließt Thierry Baumann die Schwachstromkabel an den Schaltleisten an. Während der Elektriker die letzten „Strippen" anschließt, sind seine Kollegen Holger Tippmann, Günter Soll und Uwe Gröning in der Schaltzentrale bereits damit beschäftigt, die Software einzuspielen. Diese haben die drei Programmierer der Firma Dürr mäßgeschneidert auf das Betzdorfer Bauwerk erstellt. Das Unternehmen ist nur in Tunnelbauwerken tätig, berichtete Vorarbeiter Georg Weiss. Auch bei der Renovierung des Elbtunnels war man im Einsatz - und jetzt eben am Siegkreisel in Betzdorf.
Die Programmierer müssen auch die Software mit der installierten Hardware abgleichen und einen ordentlichen Betrieb überprüfen. So etwa für die Beleuchtung am Südportal. Denn die „denkt" in gewisser Weise mit. Die Beleuchtung des Tunnels im Einfahrtsbereich ist von der Umgebungshelligkeit abhängig. Das heißt, in einer Art Dimmeffekt wird die Intensität der Beleuchtung gesteuert, damit sich das menschliche Auge bei der Einfahrt in den Tunnel gewöhnt. Die entsprechenden Werte ermitteln Lichtsensoren, von denen einer am Mast neben der Polizei installiert ist. Die Adaptionsstrecke bietet bis zu acht Stufen für die Anpassung des Auges. Diese lassen sich im „Herz" des Tunnels, dem Betriebsgebäude, an Monitoren ablesen. Aber von der ganzen modernen Technik, mit der die Schaltzentrale vollgestopft ist, werden die Verkehrsteilnehmer später nichts sehen - aber eben die Annehmlichkeiten spüren. Nahe der Tunneleinfahrt an der Friedrichstraße ist ein Sendemast errichtet. Dieser wird über zwei Empfänger an den Tunneleingängen dafür sorgen, dass Funkwellen in den Tunnel kommen - das Felsmassiv würde ansonsten jede Funkverbindung verstummen lassen.
Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienste und Straßenmeisterei werden so in der Röhre über Funk ihre Nachrichten empfangen können - über Zwei- und Vier-Meter-Band. Darüber hinaus können die Verkehrsteilnehmer im Tunnel auch Radio empfangen. Über die Schaltzentrale im Betriebsgebäude werden die Nacht- sowie Fluchtbeleuchtungen und vieles mehr gesteuert. Noch einmal zurück zu den Überwachungskameras. Auch hier kommt modernste Technik zum Einsatz -wie an allen Stellen im Bauwerk. Die Bilder werden mit Lichtwellen über ein Glasfaserkabel schnell übertragen, berichtete Vorarbeiter Georg Weiss. In einer Gefahrenlage kann die Feuerwehr von der Einsatzleitstelle aus die Videobilder zur Abklärung auf einem Monitor anschauen.
Inzwischen sind mitten auf der Fahrbahn an der Friedrichstraße die Bagger abgerückt, die Versorgungsleitungen an der Einfahrt in den Siegkreisel in die Erde gebracht hatten. Asphaltmaschinen haben die Fahrbahn wieder dicht gemacht und hergestellt. Über den Portalen indessen gehen die Arbeiten an dem Fußgänger- und Radweg voran. Dieser verläuft später über die Tunnelportale auf beiden Seiten des Bauwerks. Dieses wird mit einer Gesamtlänge von fast 400 Metern nach der Fertigstellung den durch Betzdorf rollenden Verkehrsstrom - aus Richtung Alsdorf, Steineroth, Wissen und Kirchen - an der Friedrichstraße aumehmen. Nach einer Fahrt gegen den Uhrzeigersinn werden die Fahrzeuge den Berg am Nordportal wieder verlassen und nach links bzw. rechts auf die B 62 abbiegen. Über die Bundesstraße und die Friedrichstraße schließt sich dann der Siegkreisel, für dessen Schaffung allein ungefähr 50000 Kubikmeter Felsmaterial abtransportiert werden mussten.

 

Bericht: Rainer Schmitt für Ausgabe vom 13. Mai 2006 der Siegener Zeitung

 

Zurück zur Übersicht