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Weg des Erinnerns: Stationen der örtlichen Geschichte regen zum Nachdenken an

Nach Erscheinen des ersten Bandes in der Schriftenreihe des Betzdorfer Geschichte e.V. sind nun auch die darin erwähnten Stationen mit Hinweistafeln ausgeschildert worden. Für historisch Interessierte und auch für Schulklassen dürfte sich der lehrreiche Gang durch das „alte" Betzdorf lohnen, denn man erfährt viel über die lokalen Auswirkungen der politischen Verwerfungen im letzten Jahrhundert. Noch verhandelt der BGV mit einigen Grundstückseigentümern über die Erlaubnis, Schilder anbringen. An den meisten Stationen wurden die Tafeln aber schon angebracht. Über die jeweilige Lokalität - einige der Stationen sind auch zweimal ausgeschildert - und ihre Historie informiert der folgende Text...

 

  • Station 1 Bahnhof (Ort für das Schild: Fahrradständer auf dem Bahnhofsvorplatz): Der Betzdorfer Bahnhof war in beiden Weltkriegen ein strategisch wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Im Ersten Weltkrieg rollten 1914 ungezählte Militärtransporte durch Betzdorf an die Westfront und 1918 ebenso nicht gezählte Rückzugstransporte, darunter zahlreiche Züge mit Verwundeten. Vom Roten Kreuz wurde eine Verbands- und Erfrischungsstelle in einer Holzhütte betrieben. Im Zweiten Weltkrieg war der Bahnhof ausgewähltes Ziel zahlreicher Bombenangriffe. Über 500 Bomben trafen das Bahnhofsgelände und zerstörten das 1861 eröffnete Bahnhofsgebäude total. Jedoch traf der überwiegende Teil der Bomben die Betzdorfer Bausubstanz und vernichtete sie zu 67 Prozent, 138 Menschen kamen dabei um.
  • Station 2 Stadthalle (Rechts am Zugang zur Stadthalle); An Stelle der 1984 eingeweihten Stadthalle befand sich früher das 1899 eröffnete St.-Josef-Krankenhaus. In diesem Krankenhaus wurden im Ersten Weltkrieg Verwundete verarztet und gepflegt. Ein weiteres Lazarett befand sich im Ersten Weltkrieg im ev. Pfarrhaus an der Martin-Luther-Straße (früher Blücherstraße).
  • Evangelisches Pfarrhaus (An der Mauer des Pfarrhauses): 1908 wird das 1896 erbaute Pfarrhaus der ev. Kirchengemeinde gestiftet, es dient im Ersten Weltkrieg auch als Lazarett, Am 12. März 1945 wird das Pfarrhaus bei einem Bombenangriff völlig zerstört und nach dem Krieg in der heutigen Form wieder aufgebaut.
  • Station 3 Kriegsgefangenendenkmal auf der Pracht (An der Einfassung): Die örtlichen Kriegervereine errichteten 1925 dieses Denkmal, das den in Kriegsgefangenschaft verstorbenen deutschen Kriegsgefangenen gewidmet ist. Es gilt als das einzige Denkmal in Deutschland mit einer solchen Widmung.
  • Station 4 Kriegerdenkmal des Betzdorfer Turnvereins 1881 (Am Fahnenmast); Das Denkmal wurde 1926 vom Betzdorfer TV 1881 errichtet und erinnert an die über 20 im Ersten Weltkrieg gefallenen Turner. Früher befanden sich an den Ketten Plaketten mit den einzelnen Namen der Gefallenen.
  • Station 4 Ehrenmal am ehemaligen Gymnasium, heute Geschwister-Scholl-Realschule (am verbliebenen Sockel); Das älteste Denkmal in Betzdorf, 1923 errichtet, erinnert an die 136 im Ersten Weltkrieg gefallenen oder vermissten Schüler des Gymnasiums. Das ursprüngliche Denkmal wurde im Zweiten Weltkrieg durch Bomben zerstört, und dieser Sockel mit dem Landsturmhelm verblieb als mahnender Rest.
  • Station 5 und 7 Kriegerdenkmal im Rainchen (An der Zugangsmauer); 1931 wird das von Amtsbaumeister Peter Reuter entworfene Denkmal eingeweiht und damit der namentlich aufgeführten 184 aus Betzdorf stammenden Gefallenen gedacht. Im „Dritten Reich" werden die Rainanlagen mit dem Denkmal in „Horst-Wessel-Anlage" umbenannt. Im Zweiten Weltkrieg sind rund 500 Gefallene und Vermisste zu beklagen, die namentlich aus Platzmangel nicht mehr aufgeführt wurden, m einem Gedenkbuch in der alten Friedhofshalle sind die Namen aller Kriegsopfer beider Weltkriege nachzulesen. Am Volkstrauertag 1963 wird das Denkmal völlig neu gestaltet mit einem Triptychon. Anstatt der Namenstafeln werden auf drei Eifeler Schieferplatten drei Jünglinge im Feuerofen, der Lebensbaum in Kreuzform und die Auferstehungsszene als Symbole des Opfers und der Erlösung der Gefallenen dargestellt. In dieser Ausgestaltung erinnern sie an die Opfer beider Weltkriege.
  • Station 8 Jüdisches Viertel in Betzdorf (Gegenüber der Post, im Blumenbeet): Im Sprachgebrauch der Betzdorfer lag hier das „jüdische Viertel' des Ortes. An der Ecke Tiergartenstraße (heute Steinerother Straße)/Hellerstraße wohnten die jüdischen Familien Julius Sonnenberg, Callmann Tobias, die Familien seiner Söhne Gustav und Sally Tobias, die alle vom Viehhandel lebten. Sämtliche Familienmitglieder, außer den Müttern Emma Sonnenberg (verschollen in Litzmannstadt) und Helene Tobias (1938 in Hamburg verstorben), wanderten 1938 nach Nord- und Südamerika aus.
  • Station 9 Klosterhof 8 (früher Klosterhof 5) (Am Haus). In diesem Haus wohnten bis 1938 Hans und Erna Herz. Sie flüchteten nach Mailand, wurden nach Auschwitz deportiert und sind dort verschollen. Ihr Sohn Hans flüchtete über Bremen nach Basel und überlebte.
  • Station 10 Jüdischer Friedhof (Vor dem Zugang zu diesen Gräbern); 1921 wird auf dem neu angelegten Friedhof auch ein 120 qm großes Gräberfeld für jüdische Bürger vorgesehen. 13 Gräber werden hier noch heute durch die Stadt Betzdorf gepflegt, da es keine Verwandten der Verstorbenen mehr gibt. Auf dem Grabstein von Callmann Tobias wird auch seines gefallenen Sohnes Dagobert gedacht, dessen Name die NS-Kreisleitung aus der Gefallenenliste am Kriegerdenkmal in den Rainanlagen entfernen ließ.
  • Station 10 Alte Friedhofshalle: Die 1929 vom Amtsbaumeister Peter Reuter erbaute Friedhofshalle wurde 2004/2005 saniert und 2006 zur Stätte der Besinnung eingeweiht. Hier wird der im Holocaust ermordeten oder verschollenen jüdischen Bürger aus Betzdorf gedacht und an die Gefallenen, aber auch an die Vermissten beider Weltkriege und die Zivilopfer sowie an die Bunkerkinder erinnert, die wegen des langen Aufenthalts in den feuchtkalten Bunkern an Pneumonie (Erstickungstod) starben, der so genannten Bunkerkrankheit.
  • Station 11 Gedenk-Rosette am Übergang Bahnhof-/Viktoriastraße (An der Mauer des Übergangs): Hinter dem Hotel Bayrischer Hof (heute Standort des Schuhhauses Feisel) stand den jüdischen Bürgern ein Raum als Betsaal zur Verfügung. Später nutzten sie als Betsaal einen Raum der Eisenbahn-Hauptwerkstätte, die in der Nähe lag. Deshalb wurde am 9. November 1988, 50 Jahre nach der Reichspogromnacht, hier eine Gedenk-Rosette in Erinnerung an die im Holocaust ermordeten und verschollenen Betzdorfer Juden enthüllt.
  • Station 12 Bunker Friedrichstraße (An der Kruppstraße): Zahlreiche Menschen fanden im Frühjahr 1945 Zuflucht vor den Bombenangriffen in den Betzdorfer Bunkern. Einer der größten Bunker befand sich in dem Bereich, durch den heute der St.-Barbara-Tunnel führt. Die Eingänge sind beseitigt und die unterirdischen Räume wegen des Tunnelbaus verfüllt worden. Zahlreiche Menschenleben wurden durch diese Tunnel gerettet. Es starben aber auch fast 80 Kleinkinder an Pneumonie, der so genannten Bunkerkrankheit, wegen der kaltfeuchten Luft in den Bunkern. Ihre Namen sind in einem Gedenkbuch in der alten Friedhofskapelle (Station 10) nachzulesen.
  • Station 13 Einmannbunker an der Gregor-Wolf-Straße (Am Bunker): Dieser so genannte „Einmannbunker" aus Stahlbeton mit spitzer Haube und schießschartenähnlichen Luftschlitzen konnte bis zu drei Personen Unterschlupf bei Bombenangriffen bieten.
  • Station 13 Einmannbunker hinter der Moschee (Gegenüber dem Bunker auf der anderen Siegseite, am Geländer auf dem Parkplatz der Firma Aldi).
  • Station 14 Zwangsarbeiterlager auf dem Schützenplatz (Am Zaun vor dem Schützenplatz): 630 Zwangsarbeiter gab es nach Angaben des Internationalen Suchdienstes in Betzdorf. Sie waren in Lagern wie hier auf dem Schützenplatz, in der Nähe des Hotels Hohenzollerngarten, auf dem Bahngelände im „Fahrendrieschen" und bei den Firmen Wolf, Tiefbau Lück und Patt & Dilthey untergebracht.
  • Station 15 Mahnmal an der kath. Kirche St. Ignatius (Am Zaun gegenüber dem Mahnmal): Die in die Mauer eingelassene Granate erinnert an die grauenvollen Kriegswochen in Betzdorf. Die aus Richtung Wallmenroth abgefeuerte Granate hat das Kirchendach durchschlagen, ohne dass sie explodierte und wurde später in den Rainanlagen gefunden. Im Inneren der Kirche, rechts vom Haupteingang, erinnert eine Kriegergedächtniskapelle an die Toten der beiden Weltkriege.
  • Station 16 Ev. Kreuzkirche (An der Mauer vor der Kirche): Am 12. März 1945 wird die 1895 eingeweihte ev. Kirche beim zweiten großen Bombenangriff auf Betzdorf zerstört. Der Turm erinnert mit der Höhe von 37,7 Meter an diese grauenvollen Tage, denn der Turm war einst 47 Meter hoch.
  • Station 17 Soldatenfriedhof auf dem Betzdorfer Friedhof (Am beiden Zugängen): Die kleinen Grabsteine erinnern an die im Raum Betzdorf gefallenen bzw. umgekommenen Soldaten, Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter unterschiedlicher Nationalität. Der gefallenen Soldaten und Vermissten aus Betzdorf, der Zivilopfer und so genannten Bunkerkinder wird in der alten Friedhofskapelle gedacht.
  • Station 18 Kriegerdenkmal Bruche (An der Mauereinfassung): In den 1920er Jahren wurde dieses Denkmal an die gefallenen Soldaten des Ersten Weltkrieges errichtet und 1959 mit finanzieller Hilfe durch den Bürgerverein Bruche erneuert. Die Erweiterung führte auch die hiesigen Gefallenen des Zweiten Weltkrieges auf.
  • Station 19 Kriegerdenkmal Dauersberg (Vor dem Denkmal): Mit diesem Ehrenmal wird den Opfern aus beiden Weltkriegen gedacht. Vornehmlich sind dies an der Front gefallene und vermisste Soldaten, aber darüber hinaus auch drei zivile Personen, die bei einem Bombenangriff am 8. März 1944 im einzigen in Dauersberg zerstörten Wohnhaus ums Leben kamen.
  • Station 20 Schlesier-Denkmal (Zusammen mit dem Schild Station 2): Im Jahr 2000 errichtet die Kreisgruppe Altenkirchen der Landsmannschaft Schlesien dieses Denkmal und erinnert an alle Menschen, die ihre Heimat als Folge des Zweiten Weltkrieges verlassen mussten und auf der Flucht gestorben sind.

 

Weitere Informationen zum Verein Betzdorfer Geschichte e.V. im Internet unter: www.betzdorf-geschichte.de

 

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