Das Logo der Stadt Betzdorf

„Vogel des Jahres 2007“ nistet nach Jahrzehnten erstmals mitten in Betzdorfs Innenstadt.

Als hätte das imposante Turmfalkenpaar extra darauf gewartete, „seiner“ Stadt Betzdorf auf diese Weise Aufwartung zu machen: zum ersten Mal seit 50 Jahren haben sich die interessanten Greifvögel einen Brutplatz mitten im Bereich der Fußgängerzone ausgesucht.

 

An einem vierstöckigen Haus fanden sie unter der Dachrinne eine passend große Öffnung in der Verkleidung und wer als Marktbesucher Dienstags oder Freitags genügend Geduld aufbringt, kann seit etwa vier Wochen beobachten, wie das Männchen fleißig seinem brütenden Weibchen Feld- und Wühlmäuse überbringt und manchmal lauthals mit dem charakteristischen Ruf „Kikikikiki“ seine Begrüßungszeremonie erschallen lässt. Ansonsten verhielten sich bisher die im Volksmund auch „Rüttelfalken“ genannten Greifvögel sehr heimlich und unauffällig, um ungebetene Gäste wie Krähen und Elstern nicht auf ihr Gelege aufmerksam zu machen. Wer also betriebsam und eilig durch die Stadt hastet, wird bisher kaum etwas mitbekommen haben. Inzwischen sind die 29 Tage der Brut fast vorbei und die Spannung bei den Anwohnern und Markthändlern steigt, wie viele Jungfalken schlüpfen werden. Vier bis sechs Eier legt das Weibchen und die Jungen werden gut vier Wochen lang von beiden Elterntieren gefüttert und nach dem sie das Nest verlassen haben weitere vier Wochen. Bisher haben Turmfalken in den zurückliegenden Jahrzehnten in Betzdorf auf den Kirchtürmen der katholischen und der evangelischen Kirche erfolgreich gebrütet. Der Verfasser dieses Artikels hat darüber hinaus gemeinsam mit dem RWE Siegen auf einem Hochspannungsmasten am Arsberg oberhalb von Alsdorf vor über 20 Jahren einen Nistkasten anbringen lassen, der seit dem Jahr für Jahr von einem Turmfalkenpaar angenommen wurde. Dort befinden sich zur Zeit auch noch größere offene, unbebaute Wiesen, über denen die Falken in ihrem charakteristischen Rüttelflug „in der Luft stehend“ nach ihrer bevorzugten Beute Ausschau halten können. Turmfalken sind bei der Wahl ihrer Nistplätze nicht wählerisch: so lange, wie genügend große Öffnungen an hohen Gebäuden, Türmen, Brückenpfeilern, Masten etc. vorhanden sind, gibt es immer einer sicheren Platz. Nur mit der modernen Architektur und deren glatten Fassaden ohne jegliche Nische und zugängliche Öffnung haben sie das Nachsehen.
Beim Absuchen der Flächen unmittelbar unter einem besetzten Horst findet der kundige Beobachter beim genauen Hinsehen die kleinen unscheinbaren Gewölleballen der Falken, - unverdauliche Nahrungsteile wie Haare und kleine Knöchelchen ihrer Nahrung würgen sie auf diese Weise wieder hervor. So auch in der Betzdorfer Fußgängerzone. Edith Fedderath, Lehrerin an der Dualen Oberschule, deren Mutter direkt unterhalb des Turmfalkenhorstes in der Decizerstraße zur Zeit ein Damenmodengeschäft betreibt, hat ein Dutzend Gewölle mit in den Unterricht genommen, um gemeinsam mit ihrer Klasse 9a einmal im Unterricht mit Pinzette und Lupe das Nahrungsspektrum der fleißigen Mäusejäger zu erforschen. Neben Mäusen gehören nämlich auch Eidechsen und Insekten wie Käfer und Heuschrecken zum Speiseplan. Rudolf Kölzer, der gleich nebenan über der Elefanten-Apotheke wohnt, wartet ebenfalls schon gespannt auf das Schlüpfen der Jungen, denn mit seiner Kamera hat er aus seinem Flurfenster schon etliche Aufnahmen der an- und abfliegenden Turmfalken gemacht.
Das Jagdrevier eines Turmfalken umfasst rund 200 Hektar und derzeit ist diese Greifvogelart zumindest in Deutschland noch nicht bestandsbedroht. In Betzdorf jedenfalls gehören Turmfalkenpaare, die übrigens Zeit ihres Lebens zusammen bleiben, seit vielen Jahren ebenso wie die Mauersegler zu den vertrauten Vogelarten, die das Stadtbild prägen.

Inzwischen gibt es Grund zur Freude für alle, die die Betzdorfer Turmfalken in den vergangene Wochen mit Interesse beobachtet haben: alle vier Jungfalken haben sich prächtig entwickelt und inzwischen selbst gelernt, Beute zu schlagen. Rudolf Kölzer aus der Decizerstr. hat die beiden Altvögel über all die Wochen beobachtet und fotografiert und konnte die gesamte Falkenfamilie zuletzt auf den Fichten am Hang entlang der Kirchener Straße fotografieren.

 

Zurück zur Übersicht